Der Stromzähler im Keller war jahrzehntelang ein stiller Begleiter. Einmal im Jahr wurde er abgelesen, danach kam die Rechnung. Mit dem Smart Meter hat sich das grundlegend geändert. Was ist ein Smart Meter, welche Daten erfasst er und was können Sie damit im Alltag anfangen? Informieren Sie sich hier über Funktionsweise, Ablesung und aktuelle Regelungen für österreichische Haushalte.
Viele Haushalte wissen gar nicht, dass bei ihnen längst ein intelligenter Stromzähler hängt. Genau darin liegt ungenutztes Potenzial. Denn wer weiß, wann im eigenen Zuhause wie viel Strom fließt, kann den Verbrauch und die Kosten gezielt senken. Lesen Sie, was ein Smart Meter ist und welche Vorteile er mit sich bringt.
Was ist ein Smart Meter?
Ein Smart Meter ist ein intelligentes Messgerät für Strom. Er erfasst den Verbrauch vollelektronisch, verfügt über eine Kommunikationsanbindung und übermittelt die für die Stromabrechnung relevanten Messwerte einmal täglich an den Netzbetreiber.
Im Unterschied zum ehemals verbreiteten Ferrariszähler hat ein intelligenter Stromzähler keine mechanisch bewegten Teile. Er ähnelt eher einem kleinen Computer mit Display. Er kann Daten senden und Signale empfangen.
Zum Funktionsumfang eines intelligenten Stromzählers gehören laut den gesetzlichen Vorgaben mindestens:
die Messung und Speicherung der Energiewerte in einem Intervall von 15 Minuten
die Speicherung der Viertelstundenwerte im Gerät für mindestens 60 Kalendertage
mindestens eine tägliche Fernauslesung durch den Netzbetreiber
die Möglichkeit der Unterbrechung oder Freigabe der Anlage aus der Ferne
eine Kunden/innen-Schnittstelle am Zähler, an der Sie die gemessenen Energiewerte selbst ablesen können
Die sogenannte Kunden/innen-Schnittstelle kann beispielsweise mit Hilfe eines Kontaktschlüssels ausgelesen werden und liefert dem/der Verbraucher/in Informationen, die über den Zählerstand hinausgehen. Im Normalfall kann ein Smart Meter hier beispielsweise anzeigen, wieviel des verbrauchten Stroms aus Eigenerzeugung (zum Beispiel durch ein Balkonkraftwerk) stammt.
Smart Meter oder digitaler Standardzähler?
Nicht jeder neue Zähler ist automatisch ein Smart Meter. Entscheidend ist die Konfiguration. Wird die Aufzeichnung und Übertragung der Viertelstundenwerte deaktiviert, spricht man von einem digitalen Standardzähler. Die intelligenten Funktionen sind dann abgeschaltet.
Wie verbreitet sind Smart Meter in Österreich?
Die Grundlage für die bundesweite Verbreitung von Smart Metern war ein Beschluss aller EU-Staaten im Jahr 2009. Bis 2020 sollten intelligente Zähler in Europa eingeführt werden. In Österreich reagierte man seitdem mit mehreren Gesetzesneuerungen. In einer davon wurde festgelegt, dass bis 2022 mindestens 95 Prozent aller Zählerstellen ausgetauscht sein sollten.
Laut E-Control ist der sogenannte Rollout spätestens Ende 2024 erfolgreich abgeschlossen worden. Demnach war zu diesem Zeitpunkt ein Gesamtanteil von 96,9 Prozent erreicht.
Dass Ihr Haushalt heute noch nicht mit einem intelligenten Stromzähler ausgestattet ist, ist demnach sehr unwahrscheinlich. Sollte dem doch so sein, können Sie den Einbau bei Ihrem Netzbetreiber beantragen.
Wie läuft der Zählertausch ab?
Wenn der Zählertausch bei Ihnen noch ansteht, informiert Sie Ihr Netzbetreiber in der Regel vier bis sechs Wochen vor dem Einbau des neuen Geräts schriftlich und nennt ein Zeitfenster. Der neue Zähler wird am Platz des alten installiert. Der Tausch dauert meist nur wenige Minuten. Dabei kann es kurz zu einer Unterbrechung der Stromversorgung kommen. Weitere Umbauten sind normalerweise nicht notwendig.
Ist ein Smart Meter Pflicht?
Teilweise. Der Einbau der neuen digitalen Zähler ist für Netzbetreiber in Ihrem Verantwortungsgebiet verpflichtend. Ablehnen können Sie als Verbraucher/in das Gerät also nicht. Dagegen sind die intelligenten Funktionen nicht in jedem Fall Pflicht. So können Sie der Speicherung und Übertragung der Viertelstundenwerte widersprechen. Dieser Widerspruch wird auch Opt-out genannt. Der Zähler arbeitet dann als digitaler Standardzähler.
Der Widerspruch geht an den Netzbetreiber, nicht an Ihren Stromlieferanten. Die Wiener Netze sowie das Netz Niederösterreich verlangen ihn beispielsweise schriftlich, per Post oder E-Mail. Informieren Sie sich am besten auf der Website Ihres jeweiligen Betreibers.
Das bewirkt ein Opt-out durch Ihren aktiven Widerspruch:
Ihr digitaler Stromzähler wird nicht mehr als Smart Meter verstanden, da die definierenden Funktionen teilweise abgestellt werden.
Tages- und Viertelstundenwerte werden nicht mehr gespeichert und übertragen.
Lediglich Monatswerte und der höchste monatliche Viertelstundenleistungswert werden weiterhin gemessen und übermittelt.
Der Zählerstand bleibt für die Abrechnung auslesbar.
Die Schnittstelle für Kund/innen lässt sich nicht mehr nutzen.
In diesen Fällen ist ein Widerspruch nicht möglich:
Am Zählpunkt besteht ein Liefervertrag mit dynamischen Energiepreisen.
Es sind eine Wärmepumpe, ein Ladepunkt für E-Autos, ein Energiespeicher oder eine Erzeugungsanlage für eigenen Strom angeschlossen.
Sie nehmen an Modellen der gemeinsamen Energienutzung teil, etwa an einer Energiegemeinschaft.
Sie speisen Strom über eine Direktleitung ein. Das ist eine eigene Leitung von einer Erzeugungsanlage direkt zu einer Verbrauchsanlage, ohne Umweg über das öffentliche Netz.
Am Zählpunkt ist eine Prepaymentfunktion eingerichtet, das heißt Sie zahlen Ihren Strom im Voraus, ähnlich wie bei einem Wertkartenhandy. Netzbetreiber richten das vor allem bei Zahlungsrückständen ein, als Alternative zur Abschaltung.
Was hat sich mit dem ElWG 2025 geändert?
Früher mussten Kundinnen und Kunden die Viertelstundenmessung eigens beim Netzbetreiber beantragen. Mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz, das Ende 2025 in Kraft getreten ist, wird sie zum Standardfall. Wer sie nicht möchte, kann weiterhin widersprechen.
Die Umstellung erfolgte schrittweise und je nach Netzbetreiber unterschiedlich. So wurden bei den Wiener Netzen zuerst Haushalte mit einem Jahresverbrauch über 5.000 Kilowattstunden umgestellt. Danach folgten jene zwischen 1.500 und 5.000 Kilowattstunden, für die ab 1. Jänner 2027 die Auslesung von Viertelstundenwerten vorgeschrieben ist.
Smart Meter ablesen: Der Zählerstand am Display
Ein Smart Meter zeigt standardmäßig mindestens den aktuellen Zählerstand an. Sofern noch weitere Daten erscheinen, wechseln die Anzeigen auf dem Display automatisch. Welcher Wert gerade zu sehen ist, erkennen Sie am sogenannten OBIS-Code. Wichtig sind vor allem zwei Codes:
1.8.0: der Stromverbrauch beziehungsweise Zählerstand in Kilowattstunden. Das ist der Wert, den Sie früher auch am Ferrariszähler ablesen konnten.
2.8.0: die eingespeiste Energie, relevant bei einer eigenen Photovoltaik-Anlage.
Ist das Display dunkel, hilft ein Druck auf die Bedientaste am Gerät. Bei manchen Modellen aktiviert längeres Drücken die Displaybeleuchtung.
Zurückliegende Zählerstände lassen sich auf ausdrücklichen Wunsch für bis zu 60 Tage anzeigen. Nach einem Wohnungswechsel ist diese Funktion erst nach 60 Tagen verfügbar. So kann niemand die Verbrauchsdaten von Vormieter/innen einsehen.
Smart Meter online ablesen: Verbrauch im Webportal
Für die Abrechnung müssen Sie den Zähler nicht mehr selbst ablesen. Die Verbrauchsdaten werden automatisch übermittelt.
Trotzdem kann es sich für Sie lohnen, auch selbst einen Blick auf Ihre Verbrauchsdaten zu werfen. Alle Netzbetreiber stellen dafür Webportale bereit. Dort sehen Sie Ihre eigenen Verbrauchswerte, meist ab dem Folgetag. Bei eigener Erzeugungsanlage finden Sie dort auch die eingespeisten Mengen. Häufig lassen sich im Portal zusätzlich persönliche Einstellungen ändern oder Daten weiterleiten. Für die Registrierung brauchen Sie in der Regel Ihre Zählpunktnummer.
Achtung: Ihr Stromanbieter, bei dem Sie selbst einen Vertrag abgeschlossen haben, ist nicht gleichzeitig Ihr Netzbetreiber. Wer Ihr Netzbetreiber ist, hängt von Ihrem Wohnort ab. Falls Sie unsicher sind: Der Netzbetreiber ist im Normalfall auf Ihrer Stromrechnung angegeben, auch wenn diese vom Stromanbieter ausgestellt wird.
Zählernummer und Zählpunktnummer: Wo liegt der Unterschied?
Die Zählpunktnummer wird oft mit der Zählernummer verwechselt. Auch wenn sich die Bezeichnungen ähneln, erfüllen die Nummern unterschiedliche Aufgaben:
Die Zählernummer bezeichnet das physische Gerät, also Ihren Smart Meter. Sie ist direkt auf dem Zähler aufgedruckt, meist in der Nähe eines Barcodes. Wird ein alter Zähler gegen einen Smart Meter getauscht, ändert sich die Zählernummer.
Die Zählpunktnummer kennzeichnet den Zählpunkt, also die Entnahme- oder Einspeisestelle. Sie besteht in Österreich aus 33 Zeichen und beginnt immer mit „AT“. Sie bleibt gleich, auch wenn das Gerät oder der Lieferant wechselt. Zu finden ist sie auf der Stromrechnung und im Kunden/innenportal.
Für An-, Ab- und Ummeldungen werden häufig beide Angaben benötigt. Ein Blick auf die letzte Rechnung genügt in den meisten Fällen.
Welche Vorteile bringt ein Smart Meter im Alltag?
Die Viertelstundenmessung macht sichtbar, wann Strom genutzt und erzeugt wird. Das eröffnet Möglichkeiten, die mit dem alten Zähler nicht bestanden.
Transparenz: Durch die Kunden/innen-Schnittstelle sehen sie nicht nur die Menge, sondern auch die Zeitpunkte Ihres Verbrauchs.
Optimierung: Durch dieses Wissen lassen sich Lastspitzen vermeiden und Stromkosten senken.
Photovoltaik: Für die optimale Nutzung einer PV-Anlage sind Viertelstundenwerte notwendig.
Neue Angebote: Dynamische Stromtarife, dynamische Netzentgelte, Smart-Home-Lösungen und Energiegemeinschaften basieren auf diesen Daten.
Größere Stromlieferanten müssen künftig dynamische Stromtarife anbieten. Damit können Sie auf kurzfristige Preisänderungen reagieren. Über Chancen und Risiken werden Sie vor Vertragsabschluss informiert. Zusätzlich sind die Netznutzungsentgelte seit 2026 im Sommerhalbjahr zwischen 10:00 Uhr und 16:00 Uhr um 20 Prozent gesenkt werden. Wer diesen Vorteil nutzen will, braucht die Viertelstundenmessung.
Praktisch ist ein Smart Meter natürlich auch für die Abrechnung zwischen Ihnen und Ihrem Stromanbieter. Tagesgenaue Verrechnung auf Basis gemessener Werte reduziert Nachzahlungen, die durch geschätzte Verbräuche entstehen.
Die Kunden/innen-Schnittstelle: Daten im eigenen Zuhause nutzen
Für Smart-Home-Interessierte ist eine Funktion besonders relevant: die Schnittstelle für Kund/innen am Zähler. Über sie können Sie Ihre Verbrauchswerte direkt am Gerät auslesen. Die Daten sind dabei ausschließlich für Sie selbst sichtbar.
So funktioniert es in der Praxis:
Schnittstelle aktivieren: Sie ist standardmäßig deaktiviert und wird im Portal des Netzbetreibers freigeschaltet.
Sicherheitsschlüssel abrufen: Er ist im Portal bei den Anlagendaten des jeweiligen Zählpunkts hinterlegt.
Ausleseadapter anschließen: Ein passender Lesekopf wird an die Schnittstelle gesetzt. Der Schlüssel wird am Endgerät eingegeben, nicht am Zähler.
Software wählen: Welches Programm oder System die Daten auswertet, entscheiden Sie selbst.
Wichtig: Die Daten werden vom Netzbetreiber bereitgestellt, nicht die Auslesegeräte. Bei einem Opt-out ist die Kundenschnittstelle nicht nutzbar.
Smart Meter im Smart Home: Darum sind die Funktionen sinnvoll
Ein Smart Meter zeigt Ihnen Ihren Verbrauch. Verändern kann er ihn nicht. Dafür braucht es Technik, die im Haus tatsächlich schaltet, regelt und verschiebt.
Genau hier setzt ein Smart Home an. Wenn Licht, Heizung, Jalousien und andere Haustechnik vernetzt sind, lassen sich Abläufe automatisieren. Das reduziert Ihren Stromverbrauch, ohne dass Sie täglich daran denken müssen. Passen Sie Ihre Smart-Home-Einstellungen an die Verbrauchsdaten an, die Ihnen der Smart Meter liefert.
Mit dem Gira Raumtemperaturregler heizen Sie bedarfsgerecht statt pauschal. Über das Gira KNX System lassen sich Stromerzeugung, -speicherung und -verbrauch aufeinander abstimmen. Das ist besonders sinnvoll, wenn Sie eine Photovoltaik-Anlage, einen Batteriespeicher oder eine Wallbox in Ihrem Smart Home integrieren möchten. So fließt dann beispielsweise überschüssiger Solarstrom dorthin, wo er gerade gebraucht wird.
Für bestehende Wohnungen und Häuser gibt es kabellose Alternativen. Das Gira KNX RF Multi System funktioniert per Funk und lässt sich ohne aufwändige Umbauarbeiten nachrüsten.
Was kostet ein Smart Meter?
Der Zählertausch ist für Kundinnen und Kunden mit keinen Zusatzkosten verbunden. Die Umstellung wird über das Messentgelt und die Netztarife finanziert, die wie gewohnt anfallen. Auch die Aktivierung der Viertelstundenmessung beim Netzbetreiber ist kostenlos.
Smart Meter: Datenbasis für bewussteren Stromverbrauch
Ein Smart Meter ist mehr als ein neues Gerät im Verteilerkasten. Er liefert die Datengrundlage für eine Stromwelt, in der der Zeitpunkt des Verbrauchs zählt. Wer weiß, wann viel Strom fließt, kann Abläufe verschieben, Tarife besser nutzen und eine Photovoltaik-Anlage sinnvoll einbinden.
Der erste Schritt ist einfach: Melden Sie sich im Portal Ihres Netzbetreibers an und sehen Sie sich Ihren Verbrauchsverlauf an. Der zweite Schritt ist die Technik, die daraus Konsequenzen zieht. Wenn Sie neu bauen, sanieren oder Ihre Elektroinstallation modernisieren, lohnt es sich, Steuerung und Energiemanagement von Anfang an mitzudenken.
Häufige Fragen zum Smart Meter
Auf den ersten Blick fällt die Unterscheidung eines Smart Meters von einem normalen digitalen Stromzähler schwer. Und auch die Gesetzgebung rund um die modernen Stromzähler sind nicht gleich offensichtlich. Wir beantworten die meistgestellten Fragen zu Smart Metern.